Modellprojekt geht an den Start: Petrihaus eröffnet

Hofgeismar, 17. Mai. Zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz, eine Tagespflege, zwölf barrierefreie Service-Wohnungen, ein Nachbarschaftstreff, eine Physiotherapiepraxis, eine Gästewohnung: Dass all dies in Hofgeismar im Petrihaus unter einem Dach zu finden ist, hat Modellcharakter. Nach fünfjähriger Planungs- und Bauphase wurde der Neubau am Rand der Altstadt jetzt eröffnet. An dem Projekt ist auch der Pflegedienst PHB beteiligt.


Mit einem bunten Rahmenprogramm wurde heute das Petrihaus in Hofgeismar eröffnet. Beim anschließenden Tag der offenen Tür verschafften sich hunderte Besucher einen ersten Eindruck von dem breit gefächerten sozialen Angebot in dem Neubau am Rand der Altstadt. Die Redner würdigten das Gemeinschaftsprojekt der Wohnungsbaugenossenschaft Gewobag Hofgeismar, des Pflegedienstes „Pflege, Hilfe & Betreuung“ (PHB) und des Vereins „SelbstbestimmtLeben GemeinsamWohnen“ als beispielhaft. „Das Petrihaus zeigt, wie gemeinschaftliches Wohnen weiterentwickelt werden kann – und es ist für die Stadtentwicklung etwas Besonderes“, sagte Hofgeismars Bürgermeister Markus Mannsbarth, „ich bin mega stolz darauf, das hier nach rund fünf Jahren Planungs- und Bauphase aus einer Vision Wirklichkeit geworden ist.

Am Anfang stand eine Vision

Die Vision von einem möglichst selbstbestimmten Leben im Alter, individuell, eigenständig und doch eingebunden in eine Gemeinschaft hatte ein gutes Dutzend Hofgeismarer Bürger im Jahr 2014. Sie gründeten den Verein „SelbstbestimmtLeben Gemeinsam Wohnen e.V.“ und fanden in der Gewobag Hofgeismar und dem Pflegedienst PHB  Kooperationspartner. Gemeinsam wurde die Idee für das Petrihaus geboren.

Ende 2017 starteten die Bauarbeiten unter der Regie der Gewobag. „Als gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft öffnen wir uns mit dem Petrihaus bewusst innovativen Wohnformen“, sagte Christoph Beutekamp, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, in seiner Eröffnungsrede. „Schließlich wollen wir uns dem demografischen Wandel und den Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft stellen. Im Petrihaus können wir unseren Mietern und Mitgliedern künftig für nahezu jede Lebenssituation passenden Wohnraum anbieten.“

PHB betreibt in dem Niedrigenergiehaus eine Tagespflege und zwei Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz. „Viele Menschen suchen nach Lösungen für die Zeit, wenn sie selbst nicht mehr eigenständig in den eigenen vier Wänden bleiben können“, sagte Geschäftsführer Burkhard Wagner. „Für diese Menschen möchten wir ein lebenslanges Angebot schaffen.“ 

Im Nachbarschaftstreff „Treffpunkt Wohnen und Leben“, den der Verein „SelbstbestimmtLeben Gemeinsam Wohnen e.V.“ unterstützt, können sich Bewohner, Gäste der Tagespflege, Angehörige, Besucher, ehrenamtliche Mitarbeiter sowie Nachbar des Altstadtquartiers treffen.  Dort werden unter anderem Gymnastik-, Tanz- und Computerkurse, Kochtreffs, Vorträge und Workshops zum Thema „Alt werden – fit und gesund bleiben“ angeboten.

Verbindung von Wohnen und Pflege vorbildlich gelungen

„Die Verbindung von Wohnen und Pflege wird im Petrihaus neu gedacht und ist vorbildlich gelungen“, sagte Birgit Carus vom Referat Wohnen im Alter des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend anlässlich der Eröffnung. Die Tagespflege unterstütze den so wichtigen Grundsatz „ambulant vor stationär“. Menschen mit demenziellen Erkrankungen „gehören nicht an den Rand gedrängt, sondern in unsere Mitte“, so Carus.

Mit dem Petrihaus sei ein „Haus der Begegnung“ geschaffen worden, sagte Oliver Ulloth, Mitglied der SPD-Landtagsfraktion. Er betonte die Bedeutung solcher Projekte auch für den ländlichen Raum: „Wohnprojekte wie diese dürfen nicht nur in Ballungsräumen entstehen – barrierefreien, günstigen Wohnraum brauchen wir auch auf dem Land“. Seine Fraktionskollegin Elke Barth stimmte ihm zu: „Das Thema betrifft ganz Hessen“, so die wohnungspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion.

Förderung mit Bundes- und Landesmitteln

Das Petrihaus wird mit etwa 1,15 Millionen Euro aus dem Programm „Aktive Kernbereiche in Hessen“ gefördert. Weitere 200 000 Euro stammen aus dem Modellprogramm „Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, in das das Petrihaus als eines von bundesweit 29 Projekten unter 300 Bewerbungen aufgenommen wurde. Gefördert wird es unter anderem wegen der partnerschaftlichen Kooperation von Akteuren aus der Wohnungswirtschaft, der Zivilgesellschaft und der Pflege. Profitieren sollen davon vor allem die künftigen Bewohner. Ziel ist ein sozialhilfefähiger Mietpreis von sieben Euro pro Quadratmeter.“

www.petrihaus-hofgeismar.de



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